Bildung
1 - Einleitung
Wir sprechen hier von einer einsichtigen Lebensweise, und diese - also die Lebensweise selbst - ist dem Menschen nicht angeboren wie das innere System eines Instinktwesens diesem. Die Potenz zur Einsicht ist ange-boren, die Möglichkeit, ein ICH zu entwickeln ist angeboren, das Gehirn ist hierauf vorbereitet, die Psyche ebenso, aber das Programm selbst nicht. - Es verhält sich ähnlich wie bei einem anderen eminenten Werkzeug der Ein-sicht, der Sprache, bei der auch nur die Fähigkeit angeboren ist, die Spra-che selbst nicht. Wenn wir die Konditionen der Einsicht näher betrachten, dann wird uns klar, dass dies auch so sein muss: Gerade diese Austausch-barkeit der 'Software' machte den Menschen so grenzenlos überlegen - die Fähigkeit, in allen möglichen, gänzlich verschiedenen Umgebungen und Si-tuationen ebenso verschieden und trotzdem sinnvoll und lebensfördernd zu reagieren.
Dies besagt nicht mehr und nicht weniger, als dass dem Menschen dieses System der Einsicht in einer großen und aufwändigen, Jahrzehnte dauernden Prozedur vermittelt werden muss. 'Bildung! Bildung! Bildung!' - könnte man im Tonfall unserer Großeltern sagen. Wegen der Freiheit in der Annahme von Software ist die zentrale - ja zentralste - Tätigkeit einer einsichtigen Ge-sellschaft, sozusagen 'das A und O', ebendiese Integrierung von Inhalten, die 'Implementierung der Software' - die Bildung. Diese Prozedur können wir 'Erziehung' oder 'Menschenbildung' nennen - nur muss am Ende ein Mensch 'herauskommen', der sich in seinem Lebensumfeld zurechtfindet. Je einsich-tiger eine Lebensweise ist, um so größer muss der zu vermittelnde Stoff und - auch das zu vermittelnde Training sein.
Einerseits hat die bisher übliche Werkzeug-Einsicht immer mächtigere und kompliziertere Mittel hervorgebracht - der Mensch bekam immer größere Macht in seine Hände - auf der anderen Seite steht er den heute außeror-dentlich destruktiv wirkenden Faktoren seines Unbewussten gegenüber, die mit diesen mächtigen Werkzeugen in der Hand ihre verhängnisvolle Wirkung auch entfalten. Den Ergebnissen dieser Destruktivität begegnen wir prak-tisch ununterbrochen, von der Umwelt über das Finanzsystem zu Mobbing, Gewalt an den Schulen bis zu überflüssigen mörderischen Kriegen - die Fälle in Groß und Klein sind ohne Zahl.
Es dürfte somit klar sein, dass bei »Bildung« nicht darum geht, was wir meinen, wenn wir die Reden der Politiker über Bildung hören. Bildung ist viel mehr als das. Bildung ist nich nur ein Mittel, 'die Spitzenposition der Wirt-schaft zu halten'. Bildung ist vielmehr DAS Mittel, das eine Gesellschaft ins-gesamt formt, die Bildung ist das Mittel, das den Entwicklungsgrad einer Gesellschaft bestimmt. Gesellschaften mit niedrigem Bildungsniveau haben natürlich wirtschaftliche Probleme - aber diese sind geradezu verschwin-dend gering neben all den anderen Problemen, die der Bildungsmangel in solchen Gesellschaften hervorruft. Bildung ist somit wirklich 'Bildung' im Sinne von 'Bildhauerei' - Bildung ist die Gestaltungsmittel von Gesellschaft, deren Auswirkungen Umfassend und Substanzschaffend sind. Die ihre Wir-kung geht weit über diese insturmentellen Einzelwirkungen hinaus, von denen die Politiker reden, wenn sie von 'Wirtschaft braucht gebildete Kräfte' und 'Greencard' und 'Blaucard' reden...






