Politik
Die zwei grundlegendsten Punkte einer Gesellschaft haben wir somit geklärt, hier können wir noch einige Einzelheiten in Augenschein nehmen.
Der erste Punkt sollte die politische Einrichtung einer einsichtigen Gesell-schaft sein.
Das Zusammenleben von selbstbestimmten Individuen würde - und wird - einige 'schwerwiegende' Konsequenzen nach sich ziehen, die das politische und gesellschaftliche Leben grundlegend verändern werden.
Wenn die Individuen zur Eigenbestimmung fähig sind, dann braucht es die außenbestimmenden Instanzen nicht. Die Konsequenz wäre, bzw. wird sein, der Wegfall der 'repräsentativen Demokratie'. Wenn ich bestimme, dann braucht mich niemand zu repräsentieren - d. h. für mich bestimmen -, dann tue ich das selbst. Und dann kann ich auch die berühmte 'erhöhte Mühe-waltung der Einsicht' produzieren und für mich selbst denken, bevor ich die Bestimmung vollziehe. Und dann kann ich auch die erhöhte analytische Ar-beit leisten, verkleidete Destruktivität und 'echte' Einsicht zu unterscheiden.
Um es 'prägnant' auszudrücken, jeder Mensch wäre eine 'Behörde' mit allen - heute - 'behördlichen Vollmachten'. - Was 'dort' allerdings viel weniger eine Rolle spielen würde - es wäre einfach zu selbstverständlich.
Die Konsequenz hieraus ist, dass die 'Legislative' ihre normative Kraft verlieren würde - diese würde auf die Einzelnen der Gesamtheit der Indi-viduen übergehen, und dasselbe würde auch für die 'Exekutive' gelten, die ja normalerweise nur der verlängerte Arm der Legislative ist. Anders gesagt, diese Instanzen würden zu beratenden Instanzen umgewandelt, die aus dem großen Wissenspool, den sie im Laufe von Jahrhunderten gesammelt haben, die Menschen bei der Fassung ihrer Beschlüsse beraten würden - und auch werden. Nichtsdestoweniger braucht es auch in Gesellschaften mit innenbestimmten Individuen Mehrheitsbeschlüsse - an diese würde man sich mit Hilfe der erhöhten Fähigkeit des Einsehens leichter halten - schon auch, weil sie vernünftiger gestaltet würden.
Ich habe mal - um das Spiel auf die Spitze zu treiben - für das System auch einen Namen ge- bzw. erfunden: Ich nenne es »Anthroponormie« - so als 'Arbeitstitel'. Die Vorgängermethode hierzu wird heute 'direkte Demokratie' genannt - die Menschen würden selbst bestimmen. Das Wort 'Demokratie' mag ich nur nicht. Das 'Demos', die namenlose Masse ist nicht direkt mein Fall. - Das Wort 'Demos' suggeriert - mir zumindest - jenen Zustand des Ausgeliefertseins den Kräften des eigenen Unbewussten - die wegen Man-gels an Training von ihren Faktoren hin- und hergetriebene Masse als 'Volk' - 'Demos'. Die Menschen sind es - Mensch heißt ja, die Bereiche der 'Au-ßenbestimmung' verlassen zu haben... Und '-kratie', die 'Herrschaft' geht mir erst recht auf das Gebäck. 'Kratie', Herrschaft, bedeutet ja Überordnung, Au-ßenbestimmung, Würdelosigkeit. Die normative Betätigung des Individuums ist es, oder die einer Anzahl menschlicher Individuen - eben von 'Anthro-pos'... Und wenn wir näher hinschauen, dann ist das 'Kratos' in der Demo-kratie sehr wohl da, und die Behauptung, das 'Volk' würde 'herrschen' ist Teil des Systems (nämlich - milde ausgedrückt - ein Euphemismus...) - versu-chen Sie mal zu 'herrschen' - irgendetwas zu bestimmen, was den 'Kraten' nicht gefällt. Sie würden sehr schnell den Zwang spüren...
Die 'Behörden' werden also 'dort' zu ausschließlichen Beratungsinstanzen, die bei der Beschlussarbeit der Einzelnen beihilflich sind - und TROTZDEM wird ihr Rat mehr befolgt, als die 'Gesetzesvorschriften' heute, einfach weil ihr Hauptjob nicht das Hindern sein wird wie heute - eben um jene 'Kräfte' schon lange, bevor sie zur Wirkung kämen, zu hindern - sondern weil sie das Anliegen des Informationssuchenden sehen würden - und sie würden sich den Hals brechen, dass das Wirklichkeit wird. Bei den heutigen Verbots-normen dagegen gibt es ein Katz- und Mausspiel - die 'Behörden' hindern, und die 'Bürger' versuchen diese zu hintergehen.
Die 'Gesetze' werden zu Verfahrensvorschlägen, Informationen und BE-GRÜNDUNGEN bzw. Erklärungen, warum etwas so gehalten werden sollte wie, doch der normative Akt für die Ausführung - die Bestimmung also, wie die Sache nun gemacht wird - wird beim Individuum sein. Und dieses 'Indi- viduum' wird auch tatsächlich gelernt haben, reichhaltig Information einzu-holen (ein Vorläufer-Organ der Einsicht hierzu ist das Internet)...
So würde in einer anthroponormischen Gesellschaft jeglicher Zwang weg-fallen - all die Zwänge, die schon heute selbstbestimmungsfähige Individuen oft zu 'resignativer Weißglut' bringen, gäbe es nicht bzw. wird es nicht geben.
In jener Geschichtsphase wird es keinen Schulzwang, keinen Sozialver-sicherungszwang, keinen Zwang zum Steuer Zahlen, keine Bau-Zwangs-vorschriften etc. etc. etc. geben. Eine nie gekannte innere und äußere Frei-heit wird dort herrschen.
Jeder würde - und wird - selbst bestimmen, wann und wieviel 'Steuern' er/sie bezahlt, was und wie seine Kinder lernen und wie sein Haus gebaut und aussehen wird - und es werden keine ausgespuckten Kaugummis auf dem Asphalt kleben, und es wird kein Einsteck-Zwangsgeld für Einkaufs-wagen geben (vielleicht werden sie von intelligenten Robotern einge-sammelt, vielleicht werden sie selbst auf ihren Platz rollen, vielleicht wird es nur mehr Internet-Supermärkte mit Hauszustellung per Rohrpost geben, vielleicht werden die Wagen einfach von den Menschen zurückgestellt...) Und DOCH wird dies alles besser funktionieren als heute - die Kinder werden gebildeter, die Häuser besser, die Gemeinschaftskasse reicher und die Straßen ordentlicher, die Häuser individueller und interessanter sein - und die Menschen werden in einer bunten, faszinierenden Welt voller Echtheit und voll interessanter und beeindruckender Dinge leben, da all jene Kräfte, die heute mit härtesten Mitteln unterdrückt werden und als 'psychoso-matische Störungen' am Körper-Ende hervorkommen, 'sublimiert' werden, anders gesagt, sich 'zivilisiert' entfalten können werden.
Wieso 'wage' ich dies zu behaupten? Ganz einfach - ich habe eine Extra-polation vollzogen. Schauen wir das Mittelalter an: Wieviel härter waren die Zwänge? - vom Strafbock über 'hochnotpeinliche' 'Befragung', Pranger bis Gepfählt-, Gehängt- und Gerädertwerden... Und wieviel ärmer waren die Menschen damals als heute? Wie war die öffentliche Sicherheit, die 'soziale Versorgung', die Hygiene, die 'Schulbildung', die individuelle Freiheit, das Gesundheitswesen, die Kleidung? - Die Armut war drückend, die Zwänge sehr viel härter, die Willkür groß, das Elend unaussprechlich. Die demo-kratischen Zustände sind regelrecht paradiesisch dagegen. - Ich sagte ja, dass ich gerne hier lebe - ich habe Geschichte noch am eigenen Leibe er-lebt wie ich schon sagte, in einem damals noch feudalistischen Land, in das der Kommunismus eingebrochen ist - das war doppelt kein Honiglecken. Die Demokratie ist also besser als das Mittelalter, deswegen, weil die Men-schen zu einem gewissen Grad gelernt haben, die Kräfte ihres Unbewussten zu handhaben. Hierdurch ist der Zwang milder und der Wohlstand größer. Wenn wir diese Linien extrapolieren, dann ergibt das in der Zukunft einen be-deutend größeren seelischen und materiellen Wohlstand bei BEDEUTEND WENIGER ZWANG - in der volleinsichtigen Zeit ohne Zwang.
So werden die Menschen der einsichtigen Zeit mit ebensolchem Schaudern an unsere Zeit zurückdenken, wie wir an das Mittelalter, wenn wir es mal kurzzeitig schaffen, unseren Blick realistisch zu justieren. (Ein moderner Mensch, der kurzzeitig in das reale Mittelalter versetzt würde, würde die Rückkehr wie das Erwachen aus einem Alptraum erleben.) Die heutigen Heere von 'weisungsgebundenen' Angestelltensklaven in der stupiden Arbeit, die einzig durch diese würdelose und abstoßende Methode von 'Streik' etwas an ihrem Schicksal bestimmen können, das behördliche Zwangskorsett, die seelisch verletzt herumirrenden Menschenmassen mit den unverarbeiteten Psychen, die unverarbeitete Gier, die unintegrierten Energien, die Massensüchte - psychische Zustände, wie die Körperhygiene im Mittelalter; die Kälte und die Blindheit für das Anliegen der Mitmenschen; die 'ewige' Rivalität: die dauernden Versuche, andere zu erniedrigen, um aus Bedeutungshunger im Seinsmangel doch noch etwas Bedeutung heraus-zuholen; die destruierten öffentlichen Einrichtungsgegenstände, seien diese Parkbänke oder 'Nahverkehrsmittel'; - die Menschenmassen in all diesen Zwängen, entwürdigt durch die Faktoren ihres halbgezähmten Unbewussten - „Eine Barbarische Zeit...” - werden sie rückschauend sagen. - Erwähnt werden sollen auch diese 'Bandar-Log'-mäßige Zeremonie der wiederkeh-renden 'Wahlen', wo teilweise intelligente Leute sich entblöden, die verlo-gensten und dämlichsten Parolen zu tröten, nur an ebenjene Kräfte des Un-bewussten zu appellieren, deren Zähmung gerade die Aufgabe wäre - ein-schließlich des ganz besonderen Spezialsahnehäubchens der Lamentos über 'Politikverdrossenheit'. (Warum 'ganz besonderes Spezialsah-nehäubchen'? - weil sie ja die Leute politikverdrossen machen, und dann lamentieren sie darüber...)
Jene freieren Menschen werden fragen, wie wir diese Unfreiheit, diese erniedrigende Lebensweise, gesteuert durch Zwang oder Belohnung, in Au-ßenbestimmung durch die Behörden ausgehalten haben - aber wir sind es gewohnt, für uns ist es 'normal' - wie für die Menschen des Mittelalters die Folterdrohung, die Körperstrafen, die Aberglauben, das Leben in Angst, die Seuchen und die Kindersterblichkeit normal waren.






